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Heute lieber Offline: Müssen wir mal abschalten?

Fokussiert Arbeiten, privat mehr “Quality Time”: Der Wunsch nach klaren Strukturen trotz grenzenloser Möglichkeiten ist spürbar. Auf die “Work-Life-Balance" folgt nun die “Phone-Life-Balance". Wir haben auf Abruf unglaublich viele Optionen, unsere Zeit zu gestalten, vor allem dank mobilen Geräten und einem breiten Angebot an Dienstleistungen. Wir schauen oft unzählige Male am Tag aufs Handy, jede Notification löst einen kleinen Reiz aus, alles schreit nach unserer Aufmerksamkeit. Dabei schwanken wir ständig zwischen Glückshormonen und Stress.

Man könnte das Smartphone ja einfach eine Zeit lang ausschalten? Damit tun sich aber die meisten schwer, denn wir leiden fast alle an “FOMO”, der “Fear of Missing Out“ – wir haben Angst, etwas zu verpassen. Oder vielleicht ist da jetzt auch etwas richtig Wichtiges? Auf der Arbeit ist es ähnlich: Die E-Mail, die gerade reinkam, könnte doch dringend sein. Oh, und da ploppt noch eine Teams-Mitteilung auf. Die Anzeige der ungelesenen Nachrichten macht richtig nervös.

 

Das Problem mit FOMO

 

Wir sind abhängig geworden. Es ist schwer, gegen diese Gewohnheiten anzukämpfen, schließlich geht es hier um biologische Reize. Aber die kleinen Unterbrechungen reißen uns immer wieder aus unserem Doing – sowohl bei der Arbeit als auch Privat. Wer kennt es nicht? Man nimmt das Smartphone sogar dauernd in die Hand, ohne das es klingelt, einfach um zu checken, ob man etwas verpasst hat. Und dann schaut man noch kurz in Instagram und verliert sich beim Scrollen und beim Storys durchschauen. Das ist ein richtiger Konzentrationskiller und Zeitfresser. Auch Smartwatches können dieses Problem noch verstärken, da sie sich noch präsenter in den Alltag integrieren. Kein Wunder, dass sich Yoga und Meditation als Ausgleich zum Alltagsstress großer Beliebtheit erfreuen.

 

 

In der Agentur nachgefragt

 

Wir wollten von unseren Kolleg:innen wissen, ob sie diese Probleme kennen und ob sie bereits versuchen, etwas zu ändern. Die Hälfte gab an zu versuchen, die Smartphonezeit zu reduzieren. Nicht nur das ständige Ablenken – insgesamt schluckt das Handy täglich viel kostbare Zeit für meist unnötige Dinge. 75% haben angegeben: “Ich habe das Gefühl, es raubt mir Zeit”. Wie sieht es mit dem allgemeinen Fokussieren bei der Arbeit aus? Nur ein Viertel sagt von sich, komplett zufrieden zu sein. Der Großteil hat angegeben, bereits daran zu arbeiten.

 

Problem erkannt

 

Entgegen dem Trend, die Nutzer möglichst dauerhaft an der Stange zu halten, bildet sich eine neue Erkenntnis: Anwendungen müssen sich mehr an dem (Wunsch-) Verhalten des Nutzers orientieren und ihm Freiräume bieten. Natürlich soll der Nutzer weiterhin möglichst aktiv sein, die Grenze zur Frustration muss aber im Blick behalten werden. So ist es inzwischen z.B. recht gängig, dass man Benachrichtigungen von Apps individueller einstellen kann. Oder bei einem Newsletter nur die “Basis”-Variante bestellt, mit nur noch einer Mail pro Woche. Auch ein einfaches Beispiel: Instagram informiert beim Scrollen im Feed, wenn man auf dem neusten Stand ist. Google hat sogar eine eigene Infoseite zur besseren Balance erstellt. Außerdem gibt es immer mehr Apps oder auch Voreinstellungen beim Smartphone, mit denen man seine Aktivitäten besser steuern kann (siehe nächster Abschnitt). Die Steigerung von Fokuszeit und Lebensqualität hat einen ganz neuen Zweig hervorgerufen, so sind sogar neue Unternehmen wie Headspace entstanden.

 


Konzentration? Wir machen alles gleichzeitig. Kaffee trinken, Fernsehen, Scrollen.

 

Smartphone-Zeit reduzieren: digitale Tools für jeden

 

Klar, man kann das Smartphone stumm schalten oder in den Flugmodus gehen. Inzwischen gibt es gezieltere Möglichkeiten wie “Nicht Stören” oder einen “Konzentrationsmodus”. Außerdem kann man sich beispielsweise feste Schlafenszeiten einstellen und seine Bildschirmzeit – unterteilt in einzelne Anwendungen – im Blick behalten. Es gibt auch "anstrengende” Methoden, z.B. durch einen für eine bestimmte Zeit festgelegten Graustufenmodus oder die Sperrung einer App nach Timer – dabei muss jeder für sich selbst wissen, was am besten funktioniert. Und dann gibt es natürlich noch einige Apps, mit denen man seine Aktivitäten einsehen kann, Ziele setzt, Aufgaben und Tagesplanungen organisiert usw. Die Londoner Agentur “Special Projects” hat sich da etwas ganz Besonderes ausgedacht: das Paper Phone. Klingt erst mal wie ein Aprilscherz: Für einen Tag hat man Infos wie Termine, Wetter, Kontakte oder eine Wegbeschreibung auf Papier kompakt bei sich. Das ersetzt logischerweise nicht das Handy, hilft aber, mal einen Tag runterzukommen.

 

Fokuszeit: Tools werden smarter

 

Es wird noch einfacher: Der Nutzer sollte sich im besten Fall gar nicht aktiv um seine Fokuszeit kümmern müssen. Diese Konzepte greifen im Alltag und sind nicht nur für einen einmaligen Moment gedacht. Die bisherigen Lösungen sind im Grundgedanken sehr simpel, die Basis bilden z.B. zusammenhängende Programme oder die Verortung. Beispiele:

  • Wenn Termine im Kalender stehen, ist man automatisch beschäftigt (siehe Microsoft Office Programme – Outlook, Teams, …)
  • am Arbeitsplatz schaltet das Smartphone auf stumm (z.B. Erkennung des WLANs)
  • Wird das Smartphone mit dem Display nach unten abgelegt, schaltet es stumm

 

Diese Entwicklung ist sehr erfreulich, denn sie zeigt zum einen, dass den individuellen Verhaltensweisen der Nutzer mehr Beachtung geschenkt werden muss und zum anderen, dass die Wertschätzung einer gesunden Lebensweise steigt – sowohl die Balance mit der Technik als auch unsere Konzentration und Ruhe.