Textverständlichkeit: Keep it safe and simple
Person schreibt einen Text mit einem Kugelschreiber in ein Notizbuch

Oder: Warum schwierig, wenn es auch leicht verständlich geht? Dieser Frage gehen wir nach – verfasst aus Sicht unserer Texterin. Weshalb es wichtig ist, Texte leserfreundlich zu gestalten und wie uns das gelingt, erfährst du hier.

Die deutsche Sprache hat so ihre Tücken. Und sie ist gerne kompliziert. Das beginnt beim Beamtendeutsch, geht über die akademische Disziplin des kryptischen Ausdrucks und endet auch gerne in alltäglichen Texten. Es scheint: Umso komplizierter der Text, desto mehr Bedeutung pflichten wir ihm bei. Bloß nicht zu einfach formulieren – man könnte ja sonst meinen, der Autor hätte nichts auf dem Kasten. Kompliziert gehört oft zum guten Ton.

Diese Erfahrung machte ich auch während meines Studiums. Lehrinhalte waren zu keinem Zeitpunkt leicht verdaulich – sie mussten sich hart erarbeitet werden. Abhandlungen mit ellenlangen Sätzen, übersät mit Passivkonstrukten, Schachtelsätzen, Substantivierungen und Fremdwörtern. Schullektüren wie Micheal Kohlhaas und Co. lassen grüßen. Wer dann den Inhalt erfolgreich erfasst hat – dem konnte man nur gratulieren.

Das Aha-Erlebnis

Als wir dann im Masterstudium immer häufiger Lehrkräfte aus dem englischen Sprachraum zu Besuch hatten, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Man kann auch mit einfacher und verständlicher Sprache als Akademiker ernst genommen werden. Denn in der englischen Akademiker-Sprache gilt vielmehr: Keep it safe and simple. Das bedeutet: Halte deine Texte so verständlich wie möglich. Ein Autor tut demnach seinem Leser einen Gefallen, wenn er das, was er ihm mitteilen möchte, auch ohne Umschweife prägnant wiedergibt.

Genau diese Maxime gilt auch in der professionellen Texterstellung. Wie solche leserfreundlichen Texte aussehen, was einen guten Text ausmacht und was sie von den Schwerverdaulichen unterscheidet, erfährst du hier.

Zur Verständlichkeit von Texten

Doch was beeinträchtigt die Verständlichkeit eines Textes? Ein Satz ist generell schwer zu verstehen, wenn er aus unbekannten Wörtern besteht und zu viele Gedanken enthält. Knifflig wird es für den Leser auch, wenn die Gedanken des Autors in der falschen Reihenfolge niedergeschrieben werden. Wenn dann auch zusammengehörige Satzteile auseinandergerissen werden oder ein Satz gar mehrere Interpretationsmöglichkeiten bietet, ist die Hürde für den Leser perfekt. Wie erstellen wir also gute und verständliche Texte, die Spaß machen? Hier kommt die Auflösung.

Kriterien der Verständlichkeit

Wann ist also ein Text verständlich? Das sind unsere Tipps für gute und leserfreundliche Texte:

  • Vermeide daher Substantiv-Anhäufungen und Substantivierungen. Sie machen einen Text sperrig.
  • Vermeide Füllwörter. Sie verwässern einen Text, nehmen ihm Glaubwürdigkeit und blähen ihn unnötig auf. Solche Füllwörter sind zum Beispiel: entsprechend, meistens, gänzlich, nämlich, quasi, recht, allzu, im Prinzip, äußerst, anscheinend, mitunter, völlig, womöglich, möglichst und ziemlich.
  • Vermeide Doppelungen wie: andere Alternative, kleine Snacks, kurze Zusammenfassung, lediglich nur, persönliche Meinung.

  • Verwende dialektische Ausdrücke in Maßen und nur, wenn sie zur Textsorte passen. So bleibt der Text allgemeinverständlich.
  • Wähle Abkürzungen sowie Fach- und Fremdwörter mit Bedacht. Faustregel: Je bereiter eine Zielgruppe, desto allgemeinverständlicher muss der Text sein. Stelle dir daher die Frage: Sind die Begriffe für die breite Masse verständlich? Falls nicht, ist es ratsam, diese Wörter für die Zielgruppe zu übersetzen. Bei einer spitzen Zielgruppe dürfen gerne auch branchenspezifische Begriffe verwendet werden.
  • Vermeide Mehrdeutigkeiten in Satz und Wort. Mehrdeutige Sätze, auch wenn nur vorübergehend, werden deutlich langsamer verstanden, weil die wirkliche Bedeutung erst am Satzende offenbart wird. Bis dahin wird es dem Leser unnötig kompliziert gemacht. Die Lösung: Schreibe möglichst eindeutig und lasst den Leser nicht im Dunkeln tappen. Die Ausnahme: Wort-Mehrdeutigkeiten als Stilmittel, um z.B. mit Wortwitz Aufmerksamkeit zu generieren. Wichtig: Diese müssen dann aber auch von der Zielgruppe verstanden werden können.
  • Das Deutsche ist hinsichtlich des Satzbaus relativfrei. Für das optimale Textverstehen gibt es aber einen Tipp: Achte auf die Nähe von zusammengehörigen Satzteilen. Dazu gehören zum Beispiel die Kombinationen aus Artikel & Substantiv, Subjekt & Verb, Verb & Objekt, Hilfsverb & Verb. Daher: Zusammengesetzte Verben in langen Sätzen besser nicht trennen. Um das Kurzzeitgedächtnis zu schonen, sollten Einschübe eine Länge von zwölf Silben nicht übersteigen.
  • Bevorzuge konkrete Subjekte und eine direkte Ansprache (kein „man“). Wenn sofort klar ist, wer was macht – konform mit der deutschen grundlegenden Satzgliedstellung Subjekt – Prädikat – Objekt – erleichtert es das Textverständnis ungemein.

Einfachheit:

  • kurze Wörter (dreisilbig)
  • vertraute Wörter
  • kurze Sätze (9-13 Wörter)

Gliederung:

  • ein Gedanke pro Satz
  • das Wichtige zu Beginn eines Textes und eines Satzes
  • Sinnzusammenhänge durch Absätze darstellen

Prägnanz:

  • Verben statt Substantivierungen
  • bildhafte Sprache

Anregende Zusätze, die das Geschriebene unterstützen:

  • Bilder
  • Beispiele
  • Grafiken

Fazit: Tue Gutes und mach deine Texte verständlich

Wir halten fest: Auf die kleinen Dinge kommt es an. Auch beim Texten. Achte darauf, deinen Text mundgerecht zu portionieren, Sätze nicht zu überfrachten und gerne mal ein Satzzeichen zu setzen, bevor du zum nächsten „und“ ansetzt. Bei Unsicherheit hilft lautes Vorlesen: Stolperst du selbst beim Lesen deiner Kreation, ist das ein sicheres Zeichen, dass ein Satz zu kompliziert ist. Halte es im Zweifel lieber kompakt und einfach, lass Zusammengehöriges zusammen, vermeide Wiederholungen, Füllwörter und unnötige Fremdwörter. Dann ist dir die Aufmerksamkeit der Leser gewiss.

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